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Jörg Buttgereit

West-Berlin Anfang der 80er: imperialistische Insel inmitten des realsozialistischen Feldversuchs namens DDR. Bonn pumpte aus repräsentativen Zwecken Millionen von D-Mark in die Exklave, aus ganz Westdeutschland pilgerten Wehrdienstverweigerer, Künstler und Abenteurer in die halbe Stadt. Eine brisante Gemengelage, die bald in Hausbesetzungen und Straßenkämpfen kulminierte. England lieferte die Idee des Punk, der in der ummauerten Stadt auf fruchtbaren Boden fiel. Die alternative Kunstszene war so viril wie seit den späten 60ern nicht mehr. Auch eine ganz andere Form des Kinos trat auf den Plan: nicht auf Etablierung bedacht, sondern auf strikte Verweigerung. Gefilmt wurde in Kollektiven und auf Super-8, gezeigt wurden die wilden Produkte in besetzten Häusern und Kneipen.

Jörg Buttgereit avancierte als ganz junger Mensch zum Pionier dieser Szene. Ein Ur-Berliner, als Kind hauptsächlich durch Godzilla- und Frankenstein-Filme sozialisiert, die er im HORROR HEAVEN (1984) mit seiner zur Konfirmation geschenkten Super-8-Kamera umgehend neu verfilmte. Während seiner Lehrausbildung zum Dekorateur lernte er Bela B.Felsenheimer von „die Ärzte“ kennen. Mit Felsenheimer drehte Buttgereit den Trash-Klassiker MANNE (1981), die Punk-Doku DER TREND (1981), das Superheldenepos CAPTAIN BERLIN (1982) und den Monsterfilm DER GOLLOB (1983). Die gnadenlose Studie über den eigenen Vater MEIN PAPI (1981) lief ebenso wie BLUTIGE EXZESSE IM FÜHRERBUNKER (1982) im sagenumwobenen Szeneladen „Risiko“ auf der Yorckstraße, wo Blixa Bargeld hinterm Tresen stand und Nick Cave seinen Weltuntergangsmelodien nachsann. Mit HOT LOVE (1985) drehte Buttgereit „mit entfesselter Kamera einen Liebesfilm zwischen Schmalzparodie und blutigem Realismus“ (Zitty).

Mit Manfred O. Jelinski veranstaltete Buttgereit Abende mit Kurzfilmprogrammen, die unter solch beredten Überschriften wie „Der gnadenlose Gabentisch“ standen. Später produzierte das Duo gemeinsam den Low-Budget-Horror-Klassiker NEKROMANTIK (1988).

Claus Löser

Leben und Arbeit

Buttgereit ist durch seine Filme Nekromantik und Schramm im deutschen Horrorfilm- und Splattergenre bekannt geworden. Diese Filme sind auch in Japan, Großbritannien und in den USA erschienen. Als Regisseur war er für Langfilme tätig, die man dem Horrorfilm und dem Kunstfilm hinzurechnen kann.

Er ist als Filmkritiker für die epd Film, das Berliner Stadtmagazin tip, Splatting Image, die Filmzeitschrift deadline und das Online-Jugendmagazin fluter tätig. Außerdem produzierte er Hörspiele für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Im Mai 2005 inszenierte er das Ramones-Musical Gabba Gabba Hey im Berliner ColumbiaClub. 2006 gab er ein Buch über das japanische „Riesen-Monster-Kino“ heraus, in dem sich Autoren mit Godzilla und ähnlichen Monstern auseinandersetzen. „Godzilla“ ist eines von Buttgereits Lieblingsthemen, mit dem er sich bereits in zwei Hörfunk-Arbeiten, einem Dokumentarfilm und zwei Büchern beschäftigt hat.

Im November 2007 hatte das Theaterstück Captain Berlin vs. Hitler Premiere im Hebbel-Theater „(HAU1)“ in Berlin. Das Stück basiert auf Buttgereits eigenem Hörspiel Captain Berlin vs. Dracula, das 2006 für den Westdeutschen Rundfunk entstand. Buttgereit bearbeitete und inszenierte das Stück für die Bühne und hatte einen Auftritt als aus Leichenteilen deutscher Soldaten zusammengeflicktes Monster Germanikus.

Von März 2009 bis März 2010 inszenierte Buttgereit im Hebbel-Theater eine fünfteilige Reihe Buttgereits Filmlektionen unter dem Titel RoughCuts, in der er zu verschiedenen Filmgenres Vorträge, Performances und Filmgespräche auf die Bühne brachte.

Im Film Making of Süße Stuten 7 – Die Porno-Comedy (2009) spielt Buttgereit die Rolle des Porno-Regisseurs.

Filmografie

1977: Interview with Frankenstein (3 min.)

1980: Der explodierende Turnschuh (2 min.)

1981: Manne – the Muwi (10 min.), Mein Papi (Originalfassung) (8 min.), Ogar der Häßliche (6 Min)

1982: Der Trend – Punkrocker erzählen aus ihrem Leben (25 min.), Captain Berlin – Retter der Welt (15 min.), Blutige Exzesse im Führerbunker (6 min.)

1983: Der Gollob (25 min.)

1984: J.B.’ns Horror Heaven (25 min.), So war das SO36 – Ein Abend der Nostalgie (Co-Regisseur mit Manfred Jelinski) (90 min.)

1985: Hot Love (40 min.), Episode in Jesus – Der Film (Kreuzigung) (3 min.)

1987: Nekromantik (68 min.)

1989: Der Todesking (74 min.)

1991: Nekromantik 2 (104 min.)

1992: Corpse Fucking Art (60 min.)

1993: Schramm (70 min.), The Making of Schramm (30 min.)

1995: I can’t let go (Musik-Video für Shock Therapy), Ohne Traurigkeit (Musik-Clip für Fleischmann)

1996: Neue Zeit (für die Band Mutter), Kondom des Grauens (Special Effects Supervisor)

1997: Rise up (Musik–Clip für Die Krupps), Ein subversiver Romantiker im deutschen Horrorfilm (TV-Dokumentation von Aleander Kluge, dctp), Die gläsernen Sarkophage (TV-Dokumentation für dctp)

1998: Teenagemakeup (Musik-Video für Dance or Die), Lexx – The Dark Zone (Episoden Nook und 791)

2001: Missy Queen’s gonna die (Musik-Clip für Toktok)

2002: Die Monsterinsel (Dokumentation für WDR)

2004: Die Reise ins Glück (Special Effects Supervisor)

2006: Suche Kontakt (Musik-Video der Band Cockbirds, Buch und Regie, Download-Möglichkeit auf der Website der Band)

2006: Durch die Nacht mit Bruce LaBruce und Jörg Buttgereit (ZDF/ARTE)

2007: Durch die Nacht mit Michaela Schaffrath und Mark Benecke (Regie, ZDF/ARTE)

2007: Durch die Nacht mit Asia Argento und Joe Coleman (Regie, ZDF/Arte)

2008: Monsterland (Regie, Dokumentation ZDF/Arte)

2009: Captain Berlin Versus Hitler (Theaterverfilmung)

Making of Süße Stuten 7 – Die Porno-Comedy (Darsteller des Porno-Regisseurs)

2010: Durch die Nacht mit Oda Jaune und Lars Eidinger (Regie, ZDF/Arte)

2011: Shaolin Affen (Musikvideo für Klaus Beyer & Osaka Popstar)

2011: Making of Süße Stuten 8 (Darsteller des Porno-Regisseurs)

2011: Video Nasty (Theaterverfilmung)

Hörspiele/Radio Features

2001: Sexy Sushi (WDR)

2002: Ed Gein Superstar (WDR)

2002: Frankenstein in Hiroshima (WDR)

2003: Bruce Lee – der kleine Drache (WDR)

2004: Interview mit einem Monster (Deutschlandradio)

2004: Horror Entertainment (WDR)

2005: Video Nasty (WDR)

2006: Captain Berlin vs. Dracula (WDR)

2007: Sexplosion in Shinjuku (WDR)

2009: Sexmonster (WDR)

2011: Green Frankenstein (WDR)

Bibliografie

1998: Sex Murder Art – The Films of Jörg Buttgereit (Autor: David Kerekes)

1998: Monster aus Japan greifen an. Godzilla, Gamera und Co

2000: „It’s only a movie“ in: Baumann, Heide und Schwender, Clemens (Hrsg.): Kursbuch Neue Medien. Ein Reality-Check, Stuttgart, München: Deutsche Verlags-Anstalt, S. 198-204

2001: Nightmares in Plastic (Co-Autoren: Thomas Ecke, und Rainer F. Engel)

2004: Alternative Europe – Eurotrash and Exploitation Cinema (Autoren: Ernest Mathijs und Xavier Mendik)

2006: Japan – Die Monsterinsel. Godzilla, Gamera, Frankenstein und Co.

2007: Nekromantik (Herausgeber)

Quelle: WIKIPEDIA

 

An interview with German Director Jörg Buttgereit from the Weekend of Horror in 2010:

Jörg Buttgereit Official



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